geriatrischen Patient motivieren

Nicht selten findet man ältere Menschen schweigsam, zurückgezogen, sie machen den Eindruck als wären sie geistig abwesend, als könnten oder wollten sie Gesprächen in einer Gesellschaft nicht folgen, als hätten sie alle Interessen verloren oder als hätten sie gar nie irgend welche Interessen oder Hobbys gehabt. Sie signalisieren, keine neuen altersentsprechenden Aktivitäten entfalten zu wollen und sie möchten keine neuen Bekanntschaften oder Freundschaften mit Gleichaltrigen aufbauen.

Macht man ihnen den Vorwurf, nie (auch in jüngeren Jahren nicht) irgend welchen Interessen nach­gegangen zu sein, so tut man ihnen Unrecht. Oft war während des Arbeitslebens einfach keine Zeit für Hobbys, oder es wurden andere Präferenzen gesetzt, wie z. B. die Arbeit selbst, Kinder erziehen oder die Beschäftigung mit Enkelkindern. Jetzt, da sich der Alte „interessenlos“ präsentiert, sind es vielleicht Einschränkungen bedingt durch körperliche, geistige oder soziale Ursachen, die es ihm erschweren oder sogar unmöglich machen eigenen Interessen nachgehen zu können.

Wenn organische, geistige und psychische Ursachen für dieses Verhalten ausgeschlossen sind, lässt sich das „sich zurückziehen“ folgend erklären: Der alte Mensch weiß um sein Alter, seinen Gesundheitszustand und seine Restlebenserwartung Bescheid. Irgendwann beginnt er sein Leben revue passieren zu lassen und dabei Menschen, Dinge und Erlebnisse einzuordnen. Er möchte auch seine Gegenwart so gut wie möglich ordnen, um Ehepartner, Kinder, Enkelkinder, Freunde und Bekannte in seinem Verständnis richtig zu positionieren. Er weiß ja oder er ahnt zumindest, all diese Menschen früher oder später zurücklassen zu müssen. Diese Gedanken sind derart intim und persönlich, dass der alte Mensch niemanden daran teilhaben lassen möchte.

Es wäre falsch sich mit dem Alten in ein Gespräch einzulassen, das er selbst in die Richtung lenkt, aus rationalen Überlegungen heraus die Zustimmung zu bekommen das eigene Leben zu beenden. Auch noch so überzeugend klingende Argumente des Alten sind in der Diskussion möglicherweise sogar ernst gemeint, sie sind aber mit Sicherheit nicht verlässlich. „Ich hatte ein erfülltes Leben, habe gesehen wie meine Kinder und sogar die Enkelkinder beruflich da stehen – ich kann (will) schon gehen …“. Das sind keine Aufforderungen zu Euthanasie oder nach Beihilfe zum Suizid. Es sind meistens „Hilferufe“ des Alten, um ihm „vernünftig“ Klingendes von einem Außenstehenden widerlegt zu bekommen. In jedem (geistig und psychisch gesunden) Mensch ist sein (Über)Lebenswille stärker als jeder andere Gedanke. Und an diesen gilt es – selbst in solchen Gesprächen – zu appellieren.

Tipp:
Will man einen geriatrischen Patient motivieren, geschieht dies am wirkungsvollsten, wenn man sich die Zeit nimmt, ihn in Einzelgesprächen zu fordern

wer ist geriatrischer Patient?

Menschen die Geriatrie konsumieren

Es ist noch nicht so lange her, da galt ein sechzigjähriger Großvater schon als alter Mann und Siebzigjährige wurden als Greise gesehen. Heute hingegen, obwohl beide genannten Altersgruppen zu geriatrischen Patienten zählen, gehören sie noch lange nicht zu den „Alten“. (Anm.: In seinem Vortrag 1991 vor der Österreichischen Juristenkommission sprach der Soziologe Prof. L. Rosenmayr von „jungen Alten“ und „alten Alten“.)

Geriatrischer Patient ist nicht unbedingt jemand der alt ist und an einer Krankheit leidet. Es sind auch gesunde Menschen, die Probleme mit ihrem eigenen Altern oder mit dem Älterwerden ihrer Angehörigen haben.

Wenn ich von Menschen spreche, die Geriatrie konsumieren, so sind damit Gesunde gemeint, die geriatrische Hilfe in Anspruch nehmen bzw. Geriatrie konsumieren (wie z. B. Angehörige von Pflegefällen).

Bei geriatrischen Patienten unterscheide ich 2 Altersgruppen.

Die jüngere Gruppe der geriatrischen Patienten im Alter von 45 bis 65 Jahren.

Sofern sie arbeitslos sind sehen sie sich aufgrund der Unvermittelbarkeit am Arbeitsmarkt mit denselben psychischen Problemen konfrontiert wie die ältere Gruppe geriatrischer Patienten, die wegen Erreichens des Pensionsalters aus dem Arbeitsprozess ausscheiden (mussten).

Oder sie zählen deshalb zu geriatrischen Patienten, weil sie aufgrund mehrerer Zivilisationserkrankungen (Veränderungen des Stütz- und Bewegungsapparates, wegen Stoffwechselerkrankungen, Fehlernährung, übermäßigen Alkohol- und Nikotinkonsums) arbeitslos sind und als multimorbid einzustufen sind. Viele Studien belegen, dass besonders in dieser Gruppe psychische Probleme auch somatische (körperliche) Beschwerden hervorrufen und sogar organische Krankheiten zur Folge haben können.

Arbeitende 45 – 65Jährige suchen Geriater auf, weil sie mit geriatrischen Problemen der Eltern besser zu Recht kommen wollen. Menschen die geboren wurden als ihre Eltern schon 40 Jahre oder noch älter waren, werden künftig vielleicht auch schon im zarten Alter von 20 Jahren geriatrischen Rat in Anspruch nehmen müssen.

65Jährige sind die Grenze zwischen den beiden Altersgruppen. Dabei zählt aber nicht das kalendarische Alter, sondern das individuelle Pensionsantrittsdatum (ca. im 65. LJ) (vgl. „Pension“).

Die ältere Gruppe der geriatrischen Patienten ist älter als 65 Jahre.

Auch hier sind Untergruppen zu unterscheiden. Einerseits rüstige oder auch kränkelnde aber aktive Pensionisten (Rentner).

Andererseits Personen, die aufgrund körperlicher, geistiger u/o infolge psychi­scher Veränderungen pflege-, hilfs- od. betreuungsbedürftig sind.

Die medizinische Antwort auf das Älterwerden der Menschheit beginnt nicht erst bei Rosenmayr’s „jungen Alten“, auch nicht bei den „alten Alten“ oder gar erst dort, wo jemand schon Pflege braucht, sondern viel früher – Geriatrie beginnt bereits „bei der Lesebrille“ (vgl. „wann beginnt Geriatrie“).

Diagnose(n) aus dem Internet

Will man im Internet aufgrund von Beschwerden die passende Diagnose finden, dann sollte man speziell bei geriatrischen Patienten folgendes berücksichtigen.

Die Beschwerden geriatrischer Patienten sind meist multifaktoriell bedingt. Das heißt, die für das Vollbild der Beschwerde verantwortlichen Faktoren haben ihre Ursachen nicht nur in mehreren Krankheiten (Multimorbidität) und müssten von verschiedenen Fachärzten behandelt werden, sondern haben oft auch Ursachen ohne medizinischen „Krankheitswert“ (vgl. „Zustandsbilder“).

Daraus ergibt sich, dass es zumeist nicht ein Spezialist (bzw. Facharzt für bestimmte Krankheiten) sein wird, der die Beschwerden eines geriatrischen Patienten zufriedenstellend behandeln kann. Denn die richtige Diagnose fällt meist in verschiedene medizinische Spezialfächer, oder die Beschwerde ergibt sich als Summe von mehreren Diagnosen.

Ein Beispiel soll zeigen, wie komplex das Herausfinden von Ursache(n) sein kann: Eine Dame klagt über häufige Kopfschmerzen – gelegentlich auch von Schwindel begleitet. Theoretisch gibt es für diese Be­schwerden mehr als 20 Möglichkeiten aus 9 verschiedenen medizinischen Fächern, wobei nicht Organ-bezogene Ursachen wie z. B. „Wetterfühligkeit“ noch gar nicht berücksichtigt sind:

Augenheilkunde: Lesebrille, Augendrucksteigerung (Glaukom); Chirurgie: neurolog. Ursache (Trigeminus/Occi­pitalis) bedingt durch Lipom/Fibrom etc.; Gynäkologie: hormonell durch (hormonproduzierenden) Tumor, hormo­nell (durch PMS, Wechselbeschwerden); HNO: otogen (vom Ohr ausgehend), chron. Stirnhöhlenentzündung; Interne: Anämie (Ursache?), Migräne, Blutdruckschwankungen (Ursache(n) der Blutdruckschwankungen), cardial (vom Herz ausgehend), Nitratkopfschmerz (durch ein Medikament bedingt), Migräne, Diabetes mellitus Typ II, vaskulär (gefäßbedingt), Flüssigkeitsmangel mit folgender Elektrolytstörung; Neurochirurgie: Tumor im Gehirn; Neurologie & Psychiatrie

: neurolog. Ursache (Trigeminus/Occipitalis), HWS, Migräne, stressbedingt, chron. Übermüdung, somatisieren im Rahmen einer Depression (Ursache der Depression?); Orthopädie: HWS; Zahnheilkunde: Zahn- Kieferbereich

Vorausgesetzt die Patientin kennt die genannten Differentialdiagnosen bzw. sie hat sich aus dem Internet mehrere Möglichkeiten herausgeschrieben, und suchte auch eigenständig alle neun Fachärzte auf, dann wurde sie bestimmt mehrmals ins Labor zu Blutabnahmen geschickt, es wurden sicherlich mehrere Rönt­genaufnahmen gemacht und einige Untersuchungen mit bildgebenden Verfahren (CT, MRI, US-Doppler) durchgeführt. Trotzdem wird ihr wahrscheinlich keiner der Fachärzte ihre Beschwerden genommen haben, wenn der Kopfschmerz das Resultat von mehreren dieser hier genannten möglichen Ursachen ist. (vgl. Wegweiser durch die vielfältig gewordene Medizin)

Die richtige Diagnose zu stellen und sie dem Patient mitzuteilen ist das Eine, die dafür notwendige Thera­pie zu kennen ist das Andere und die Verantwortung dafür zu tragen ist das Dritte.

Tipp:
1. Diagnostik ist ärztliche Kunst, der viel Erfahrung zugrunde liegt.
2. Es macht keinen Sinn Ursachen (die es nicht gibt) zu suchen, nach deren Beseitigen mit „einem Schlag“ alles wieder gut wäre.

(zu) viele Medikamente

Oft nehmen geriatrische Patienten (zu) viele Medikamente, wofür es mehrere Ursachen gibt.

a) Patienten informieren neu konsultiere Ärzte nicht über alle Medikamente, die sie bereits einneh­men; der neue Arzt weiß also gar nicht, dass schon ein anderer Kollege ein solches oder ähnliches Medikament verordnet hat.

b) Jeder Arzt denkt beim Verordnen nur an sein Fachgebiet (viele Fachärzte = viele Medikamente). (vgl. „Diagnose(n) aus dem Internet“; „Behandeln von Krankheiten bei alten Menschen“)

c) Ärzte wollen durch Verschreiben eines Medikamentes ihr eigenes Gewissen beruhigen, ihr Honorar rechtfertigen oder ihr Können unter Beweis stellen. Ein Rezept zu schreiben macht auf Patient und Angehörige einen besseren Eindruck als zu sagen „dagegen kann man nichts machen“. Tatsache ist aber auch, dass Patienten oft mit der Erwartung zum Arzt gehen, ein Medikament verschrieben zu bekommen, das „alles heilen oder zumindest besser machen wird“.

d) Ein Rezept schreiben geht schneller, als dem alten Patient etwas ausführlich erklären zu müssen.

e) Im Rahmen der heute notwendigen „defensive medicine“ verschreiben Ärzte immer häufiger Medikamente, um sich rechtlich abzusichern, damit man ihnen nichts vorwerfen kann.

Es gibt Medikamente, die für einen Patient (lebens)wichtig sind und solche von denen man bloß erwartet, dass sie eine Verbesserung der Lebensqualität bringen. Dementsprechend ist sorgfältig abzuwägen, welche Medikamente unbedingt eingenommen werden sollen und auf welche der Patient verzichten kann, weil die Nebenwirkungen mehr Schaden anrichten können, als die Wirkungen Nutzen bringen. Besonders bei älteren Menschen sind ärztlich verordnete und tatsächlich geschluckte 20 bis 25 Tabletten pro Tag keine Seltenheit. Niemand hat aber wohl mehr Appetit, wenn der Magen gleich in der früh mit 7 oder 8 „Pulverln“ begrüßt wird.

Insbesondere alten Patienten muss man und soll man manchmal auch Unpopuläres („das kann man nicht reparieren“) sagen und sie lehren mit „normalen“, menschlichen Altersproblemen umzugehen. Das ist oft wirkungsvoller als manches zusätzliche Medikament zu schlucken, das bei gewissen Altersbeschwerden gar nicht helfen kann.

Tipp: Es „lohnt“ sich bei den Medikamenten vom Geriater „Ordnung machen“ zu lassen.

Sozialstaat, Krankenkassen und Geriatrie

Ärztliche Antworten auf Fragen, die das “Altern“ aufwirft, gibt Geriatrie – ein modernes Spezialfach der Medizin. Wo es Geriatrie aber nur als Zusatzfach, und keine eigenen Fachärzte für Geriatrie gibt, müssen Krankenkassen die zeitaufwendige geriatrische Tätigkeit auch nicht bezahlen. Man kann den billigeren Standpunkt vertreten, Geriatrie wäre im Honorar des Allgemeinmediziners oder des Facharztes inkludiert.

In den westlichen Sozialstaaten verlangen die demographischen Veränderungen aber nach Aktivitäten von Politik und Staat. Nach dem selben Prinzip wie Kommissionen etabliert werden, um einerseits Zeit zu gewinnen und andererseits fachlich fundierte Entscheidungsgrundlagen zu bekommen, so ging man auch an die Lösung des Problems der alternden Bevölkerung heran, anstatt notwendige grundlegend neue Denkan­sätze zu verfolgen, von denen die Betroffenen profitieren.

Es wurden Abteilungen mit der Bezeichnung Akutgeriatrie geschaffen, um vorerst zumindest im stationären Bereich Kostenersatz durch Krankenversicherungsträger zu bekommen. Das ist aber keine befriedigende Lösung für die Alten. Erstens müssen alte Menschen von zuhause weggebracht werden, um (für sie kostenlos) in den Genuss geriatrischer Behandlung zu kommen. Und zweitens sind derartige Abteilungen für Akutgeriatrie in Wahrheit nicht viel anders als Interne Abteilungen, wo betagte Patienten mit denselben Untersuchungen belastet werden wie in jedem anderen Aktuspital. (vgl. Spital „ja“ oder „nein“)

Anstatt die wahren Bedürfnisse der immer mehr werdenden alten und hochbetagten Menschen zu befriedigen – nämlich leistbare Versorgung, Betreuung und Pflege unter gleichzeitiger Anwendung von vernüftiger Geriatrie zu bieten, ob in den eigenen vier Wänden oder in angemessenen Institutionen – werden auch weiterhin Stationen für Akutgeriatrie eröffnet und gebaut. Damit werden noch mehr Ressourcen in High-Tech-Medizin investiert anstatt diese Gelder den Menschen zugute kommen zu lassen, die infolge unheilbarer Altersveränderungen (Altersschwäche, schmerzhafter Veränderungen des Stütz- und Bewegungsapparates, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen oder Demenz) auf geriatrische „Rund-um-Versorgung“ angewiesen sind, sich diese aber nicht leisten können. Um bloß Flüssigkeit in Form von Infusionen zugeführt zu bekommen – was natürlich auch zuhause möglich wäre und in jedem Pflegeheim durchzuführen ist – wird der Alte Mensch mit Rettung oder Krankentransport in ein Spital oder vielleicht auf eine Akutgeriatrie gebracht. Er wird also, weil er einfach zu wenig getrunken hat, aus seiner gewohnten Umgebung gerissen und einmal mehr bricht die Medizinmaschinerie und der teuere Spitalsalltag auf den alten Menschen herein.

So wie Finanzmanager sich nicht nach den vielen Menschen umsehen, denen es finanziell schlecht geht, sondern eben diese mit „wissenschaftlich erforschten Finanzinstrumenten“ durch die hinlänglich bekannte weltweite Finanzkrise noch ärmer machen, so lassen ÄrztInnen die vielen Alten und Kranken unbeachtet, weil für sie nur Forschung, Statistiken, der Einsatz von „EBM = evidence based medicine“ und ihre Karriere zählt.

All das unterstützt die Politik, indem man das Tabuthema „Sterben und Tod“ – das natürliche Ende menschlichen Lebens – eben so wenig diskutiert wie man die „Schlussetappe“ im Leben eines Menschen ansprechen oder gar beleuchten möchte. Es scheint oportuner, sich dem allgemeinen Wegsehen von der Realität anzuschließen und sich selbst, wie auch der Gesellschaft vorzumachen, dass es richtig sei in (geriatrische) Forschung zu investieren und damit auf jenen Durchbruch hoffen zu können, der uns das leidige Thema „Sterben und Tod“ abnimmt. Wir geben uns lieber hin, über Alzheimer, Schlaganfall, tödliche Herz-Kreislauf-Erkrankungen etc. nur zu forschen, als der Realität ins Auge zu blicken und diese „Alterskrankheiten“ als gegeben hinzunehmen, endlich die Weichen dafür richtig zu stellen und den Alten und Kranken zu helfen, mit Ihren Krankheiten zu leben oder – wegen dieser und mit diesen – auch sterben zu dürfen.

Wenn es nicht aufhört unangenehm zu sein die Tatsachen einzusehen und anzuerkennen, dass Alter auch Krankheit und Leid mit sich bringt und dass menschliches Leben endlich ist, wird unsere Gesellschaft nicht fähig sein wirkliche Antworten auf die bereits brennenden Fragen zu finden.

Ein Patientenverfügungsgesetz zu haben, das niemand (weder Ärzte noch Betroffene) kennt und das keine Rahmenbedingungen für Ärzte hat, zwingt Ärzte zu defensive medicine um sich vor Kollegen, vor Schadenersatz fordernden Anwälten und vor Richtern zu schützen.

Anstatt unsere Pflicht zu erfüllen, den immer mehr werdenden alternden Menschen zu geben, was sie tatsächlich brauchen – nämlich ihre Altersbeschwerden zu lindern, sie außerhalb von Spitälern geriatrisch zu begleiten und wenn es so weit ist, sie auch zuhause – abseits der Annonymität in Institutionen – sterben zu lassen, schieben wir die jetzt notwendige Hilfe auf die lange Bank.

Unsere heute Alten gehören nicht den Generationen der Technokratie, der alles belegenden Statistiken und des Internets an. Sie können nicht durch „Evidence based medicine“ beruhigt, vertröstet oder getäuscht werden. Ihr Zustand und ihr Leid ist realistisch und nicht virtuell. In ihrer Situation haben sie auch gar nichts von statistischen Zahlen und wissenschaftlichen Studien, schönen Worten oder netten Broschüren. Sie spüren und wissen, dass sie keine Zeit haben darauf zu warten, bis man ihnen erklärt, dass es sich bei der akutgeriatrischen Forschung leider um eine ebenso falsche Investition gehandelt hat wie die „Geldschöpfungstheorien“ unrichtig waren, die zur Finanzkrise geführt haben, aber ab jetzt wird alles anders und besser gemacht werden …

Tipp: Anstatt zu diskutieren ob Sterbehilfe zu legalisieren sei, sollten Medien, Politik und die Gesellschaft es wertschätzen, wenn Hausärzte bereit sind, Zeit zu investieren und die Verantwortung auf sich zu nehmen, den alten Mensch in seiner eigenen Wohnung mit der für seine Situation notwendigen medizinischen Therapie und mit ausreichender Schmerztherapie zu versorgen und es ihm ermöglichen – wenn er sich das wünscht – auch in seinem Zuhause sterben zu dürfen.