soziale Indikation

Weil Patienten zuhause nicht ausreichend ernährt oder hygienisch versorgt werden können, werden sie unter dem Titel „soziale Indikation“ in ein Akutspital eingewiesen oder (oft monatelang) im Spital behalten.

Sollte „soziale Indikation“ für Spitalseinweisung und für übergebührlich lange Spitalsaufenthalte verboten sein, statt dessen aber die Überstellung des Patienten in ein Pflegeheim/auf einen Pflegplatz möglich (bzw. zwingend notwendig) sein?

„defensive medicine“ (2)

Um sich vor ungerechtfertigten Angriffen durch Kollegen, vor Schadenersatz fordernden Anwälten und um sich vor negativen Urteilen zu schützen betreiben Ärzte „defensive medicine“. Dazu gehört auch, sterbende, geriatrische Patienten ins Spital einzuweisen, um keine „unangenehmen“ Fragen beantworten zu müssen oder in Erklärungsnotstand zu geraten.

Finden Sie dieses Vorgehen besser, auch wenn dem Sterbenden dadurch noch zusätzliches Leid zugefügt wird, oder meinen Sie, dass der geriatrische Patient ‚trotz Anwesenheit eines Arztes‘ auch zuhause in Ruhe sterben darf – ohne dass dem Arzt dafür (auch nur versuchsweise) eine „Schuld“ zugewiesen werden darf?

„defensive medicine“ (1)

Um sich vor ungerechtfertigten Angriffen durch Kollegen, vor Schadenersatz fordernden Anwälten und um sich vor negativen Urteilen zu schützen betreiben Ärzte „defensive medicine“. Dazu gehört auch, geriatrische Patienten ins Spital einzuweisen, um sich jeglicher ärztlicher Verantwortung zu entledigen.

Sollen Ärzte einen Patient ins Spital schicken dürfen, obwohl sie wissen, dass ihm dort nicht zu höherer Lebensqualität verholfen werden kann, dass er aber sowohl durch die Spitalseinweisung als auch durch die dort gemachten Untersuchungen zusätzliches Leid ertragen muss und im Gesund­heitszustand des Patienten womöglich sogar Verschlechterung eintritt?

geriatrischer Patient spricht über eigene Gesundheit

Alternativ könnte die Überschrift für diesen Artikel auch lauten: Beschäftigung mit der eigenen Gesundheit und Suche nach „Wehwehchen“.

Geriatrische Patienten, die tatsächlich unter Krankheiten leiden, machen diese nur selten zu ihrem „Lebensinhalt“ und sie erheben Gesundheit, Krankheit, Schmerz oder Medizin im Allgemeinen auch nicht zum zentralen Gesprächsthema. Diese geriatrischen Patienten gehen mit ihren Beschwerden zum Arzt oder sie leben den Standpunkt „ich bin halt schon alt, da gehören Schmerzen ja dazu; da kann man nichts machen“ und sie leiden still und leise vor sich hin. Deshalb sollte man bei diesen Patienten „zwischen den Zeilen lesen“. Man darf nicht alles auf das Alter schieben, denn vieles lässt sich auch im Alter (noch) behandeln.

Wenn geriatrische Patienten „medizinische Probleme“ oder ihre „Wehwehchen“ vor der Familie ausbreiten oder vor Laien zur Diskussion stellen, dann steht meist nicht ihr zu ertragendes Leid im Vordergrund und sie erwarten (von den Diskussionsteilnehmern) auch keine Lösung für die von ihnen aufgeworfenen Probleme. Viel­mehr wollen sie sich damit Würde und Anerkennung verschaffen, sie wollen sich eventuell über gewisse Krankheiten oder Symptome informieren, oder sie möchten auch „nur“ Mitleid wecken, in dem sie ihr Alter sowie das damit gerechtfertigte „Kränkeln“ in den Mittelpunkt drängen.

Ein Geriater erfährt durch speziell gelenkte Gespräche relativ rasch, was den alten Mensch wirklich beschäftigt oder bedrückt, bzw. unter welchen Beschwerden er tatsächlich leidet. Es versteht sich von selbst, dass (auch) im Alter auftretende Krankheiten nach neuestem Stand der Medizin behandelt werden.

Tipp: Um alte Menschen zu verstehen achte man eher auf nicht Gesagtes bzw. nicht Ausgesprochenes.

vergesslich oder verwirrt

Viele Angehörige kennen vielleicht den Unterschied zwischen vergesslich und verwirrt, sie unterscheiden aber nicht präzise genug, wenn sie dem Arzt über den geistigen Zustand des Patienten berichten.

Vergesslich bedeutet, Dinge oder Ereignisse zu vergessen. Dabei macht es einen Unterschied ob jemand eine Telefonnummer nicht kennt, oder vergisst wo er die Schlüssel hingelegt hat. Beide Beispiele sind wahrlich nicht als krankhaft einzustufen. Das „passiert auch ganz Gesunden“.

Von harmloser Vergesslichkeit sind merkliche Gedächtnisstörungen abzugrenzen, die (im allgemeinen zuerst) das Kurzzeitgedächtnis und (später auch) das Langzeitgedächtnis betreffen. Für die grobe Klassifizierung genügt die Unterscheidung in Ereignisse, die vor relativ kurzer Zeit (Tage bis Stunden) geschehen sind und solche die sich vor langer Zeit (vor Jahren, Arbeitswelt, Kindheit etc.) zugetragen haben.

Verwirrt bedeutet, örtlich, zeitlich, situativ und/oder zur Person nicht mehr orientiert zu sein.

Örtlich desorientiert ist, wer nicht weiß wo er sich befindet. Damit ist nicht gemeint, ob er weiß in welchem Spital er ist, sondern er weiß nicht ob er bei sich zuhause, im Spital, bei den Kindern, im Elternhaus (bei den längst verstorbenen Eltern) etc. ist.

Zeitlich desorientiert ist jemand, der den Bezug zu Tageszeiten, Jahreszeiten und zu Jahren verloren hat. Wenn jemand bei seinem eintönigen Tagesablauf nicht weiß ob heute Dienstag oder Mittwoch ist, oder wenn er das genaue Datum nicht angeben kann, bedeutet das noch nicht, dass er zeitlich desorientiert wäre.

Situativ desorientiert ist, wer seine Situation nicht richtig einschätzen kann. Besteht ein bettlägeriger Pflegefall darauf oder glaubt er ernsthaft (wieder) wandern zu gehen, dann ist anzunehmen, dass er situativ nicht mehr orientiert ist.

Zur Person ist jemand nicht mehr orientiert, wenn er nicht mehr weiß wer er ist, bzw. wenn er (bei gutem Gehör) nicht darauf reagiert sofern man ihn mit seinem Namen anspricht.

Neben Vergesslichkeit und Verwirrtheit können aber z. B. anfangs kaum wahrzunehmende, aber langsam und stetig fortschreitende geistige Veränderungen, zur totalen Wesensänderung einer Person führen, so dass Angehörige eines Tages kaum glauben können, dass der Vater heute ein und dieselbe Person ist, die er vor vielen Jahren war.

Tipp: Lassen Sie Veränderungen bei einem älteren Mensch lieber einmal „zuviel“ von einem Arzt beurteilen,

und versuchen Sie dabei präzise Angaben zu machen, ohne aber Fachvokabular zu verwenden. (vgl. Zustandsbilder, keine Diagnosen)