Gehhilfen

Stock – Krücke – Rollator

PatientInnen waren nach Operationen am Stütz- und Bewegungsapparat und nach Schlaganfall häufig in Rehabkliniken und wurden dort mit der richtigen Gehhilfe ausgerüstet. Nach der Entlassung aus einer internen, neurologischen, dermatologischen oder allgemeinchirurgischen Abteilung kommt meist den Angehörigen die Aufgabe zu, die richtige Gehhilfe für den geriatrischen Patienten auszuwählen.

Es gibt vielerlei Gehhilfen. Vom fixen, einfachen Gehstock angefangen über den höhenverstellbaren Gehstock zu 4-Punkt-Stock, Oberarmkrücken, Unterarmstützkrücken, Gehgestell: starr, reziprok, falt­bar; Rollator: für Außenbereich, für Innenbereich, mit/ohne Sitzmöglichkeit, mit/ohne Transportkorb, mit/ohne Feststellbremse, 2 Räder (vorne, Stoppeln hinten), 3 Räder (1 Rad vorne, 2 Räder hinten), 4 Räder (4 starre Räder, 2 Lenkräder 2 starre). Jede Gehhilfe hat ihre Vor- und Nachteile.

Zuerst ist abzuklären welchen Zweck die Gehhilfe zu erfüllen hat – danach wird ihre Funktion gewählt. Soll sie Sicherheit geben, soll sie Stütze sein, soll sie ein Transportmittel sein (für kleine Dinge von einem Raum in den anderen), oder muss sie zur Entlastung einer Körperhälfte eingesetzt werden?

Wichtig ist es auch mitzubeurteilen, welche sonstigen gesundheitlichen Probleme der beim Gehen zu Unterstützende hat. Starkes Zittern wird eher nach einem 4-Punkt-Stock verlangen, und der unter Schwindel leidende Patient wird ein anderes Gehgestell bekommen als es bei einem Patient mit ausgeprägter Vergesslichkeit zum Einsatz kommt, der regelmäßig vergisst den Rollator zu bremsen und der so zu einer zusätzlichen Gefahr wird.

Nun sollten auch Türdurchgangbreiten und Staffeln zwischen den Zimmern nicht unbeachtet bleiben, bevor man die Gehhilfe endgültig auswählt. Schließlich bleibt zu entscheiden, ob man die Gehhilfe kauft oder vom Kassenarzt auf Kosten der Sozialversicherungsträger (abzüglich Selbstbehalt) leihweise oder für ständig verordnen lassen kann.

Tipp: Die Höhe (der Griffe) soll auf gleicher Höhe mit dem Knochenvorsprung sein, der an der Außen­seite des Oberschenkels unmittelbar unterhalb des Hüftgelenkes (Trochanter major) tastbar ist. Alternativ: 5 – 10 cm oberhalb der Handwurzel des am Körper herabhängenden Armes.

wann beginnt Geriatrie

Weil das biologische Alter eines Menschen nicht mit seinem kalendarischen Alter ident sein muss, kann auch kein bestimmter Zeitpunkt im Leben eines Menschen angegeben werden, an dem Geriatrie beginnt.

Vereinfacht würde ich sagen: Geriatrie beginnt „bei der Lesebrille“ und endet erst nachdem Angehörige seelisch verarbeitet haben, was ein verstorbener Patient zurückgelassen hat.

Sie werden jetzt fragen, warum man Geriatrie braucht wenn die Sehkraft nachlässt?

Nun es sind die ersten, indirekten Kontakte zur Geriatrie die etwa zu der Zeit beginnen, da man eine Lesebrille braucht. Jetzt wird einem bewusst, dass die gesundheitlichen Probleme der älterwerdenden Eltern einer fachlichen – nämlich geriatrischen Hilfe – bedürfen. Und zwar stellt man fest, dass einzelne Beschwerden der Eltern durch Behandlung(en) von Spezialisten (für Kardiologie, Orthopädie, HNO, Interne, Stoffwechselerkrankungen, Neurologie, Psychiatrie usw.) zwar Besserung gebracht haben, die Gesamtsituation aber unverändert geblieben ist, oder sich sogar weiter verschlechtert. Man ahnt, dass es da neben der eigentlichen Behandlung einer medizinischen Diagnose noch etwas geben muss, um Probleme besser bewältigen zu können, die durch das Altern der Eltern aufgetreten sind. Wer dieser „Ahnung“ gefolgt ist, hat also bereits seit damals geriatrische Hilfe in Anspruch genommen.

Zusätzlich bemerkt man auch an sich selbst Veränderungen, die etwa zeitgleich erstmals in dieser Lebensphase auftreten. Die Veränderungen und Sensationen können vielfältig sein, wie z. B. ungewol­lte Gewichtszunahme, Typ II Diabetes, Auftreten sexueller Probleme, träger werden des Geistes, man kann mit der Technik nicht mehr so Schritt halten wie früher, das Schlafbedürfnis hat sich geändert, man spürt Angst vor der nahenden Pensionierung u.v.m. All das sind Begleiterscheinungen des Alterns für deren Überwindung man besser einen Geriater konsultiert, als dass man von einem Facharzt zum nächsten pilgert um etwa krankhafte Ursache(n) dafür zu finden. Gleichermaßen kontraproduktiv wäre es aber auch, diese oder jene gesundheitliche Veränderung als „Alterserscheinung“ hinzunehmen, ohne von einem Arzt feststellen zu lassen, ob es sich hierbei vielleicht um den Beginn einer Krankheit handelt, die behandelt werden kann und behandelt werden muss, oder ob hinter den Beschwerden ein Leiden steht, das durch Behandlung zumindest gelindert werden kann.

Ebenso wie Geriatrie also nicht erst beginnt, wenn jemand schon zum Pflegefall geworden ist, sondern schon sobald sich erste Zeichen des Alterns zeigen, endet die Aufgabe des Geriaters auch nicht mit dem Tod eines Patienten. Geriater erfüllen nämlich auch für Hinterbliebene noch wichtige Funktionen.

was man beim Arzt tun soll – und was nicht

Beschwerden schildern – nicht Diagnosen nennen (die man irgendwo gehört hat)

Oft kommen Patienten oder Angehörige zum Arzt und präsentieren eine Diagnose anstatt ihre Beschwerden zu schildern. Man hört z. B.: „Der Blutdruck macht Probleme“, „ich habe es mit der WS“, „mein Knie ist kaputt“, „ich habe Inkontinenz“ usw.

Sie fragen sich was denn falsch daran sei?! Nun, auch wenn im Röntgen schon vor Jahren festgestellt wurde, dass im Kniegelenk Abnützungserscheinungen sichtbar sind (die mitgebrachte Diagnose also nicht nur stimmt, sondern sogar röntgenologisch bestätigt ist) so könnten die Knieschmerzen diesmal andere Gründe haben; z. B. Veränderungen im Hüftgelenk deren Schmerzen ins Knie ausstrahlen. Doch welche Veranlassung hätte der jetzt konsultierte (ohnehin unter Zeitdruck stehende) Arzt zusätzlich auch ein Hüftröntgen machen zu lassen? Der Patient selbst sagt ja schon, dass das Kniegelenk „kaputt“ ist. Der Patient wird also wegen des „kaputten Knies“ nochmals zum Knie-Röntgen geschickt, um auch jetzt eine handfeste Begründung für die Schmerzen zu haben. Vielleicht lässt sich sogar eine weitere Verschlechterung gegenüber der letzten Röntgenuntersuchung feststellen und … ein „verbrauchtes“ Gelenk bietet eben Grund genug für Schmerzen.

Laien, die dem Arzt ihre vermeintliche(n) Diagnose(n) präsentieren, machen den gleichen Fehler wie Ärzte, wenn sie eine Diagnose zu früh stellen, also durch Behandlung von Symptomen verhindern, dass sich das wahre Krankheitsbild deutlich entwickelt. Sowohl beim „Mitbringen der Diagnose“ wie auch bei zu rascher Symptomausschaltung durch den Arzt; in beiden Fällen besteht eigentlich noch die Situation der Ungewissheit, die nicht verschleiert werden darf. Wohl aber soll der Zustand durch einen Arzt wachsam begleitet werden, um abwendbar gefährliche Verläufe zu erkennen und zu verhindern.
Besser ist es daher, dass Patienten (Angehörige) dem Arzt die Beschwerden mit eigenen Worten so beschreiben wie sie empfunden werden und hinzeigen: z. B. mich sticht es hier, ich habe hier gelegentlich einen Druck, ein Ziehen, ein Brennen, ein Zucken … und ähnliche, beschreibende Formulierungen. (vgl. „sich auf den Arztbesuch vorbereiten)

Tipp: Sie sollten Ihrem Arzt vertrauen und ihn nicht mit „Vorschlägen“ unterstützen wollen. Wenn Sie an seinem Können zweifeln, ist es für beide Seiten besser, dass Sie ihn gar nicht erst konsultierten, sondern Sie sollten sich einen Arzt suchen, dem Sie uneingeschränkt vertrauen.

Bei allem Verständnis dafür, dass es – und gerade weil es – um Ihre Gesundheit und um Ihren Körper geht – nehmen Sie bitte zur Kenntnis, dass Sie jedem noch so „schlechten“ Arzt in medizinischem Wissen und in medizinischer Erfahrung nicht ebenbürtig sind. Überlassen Sie Diagnostik, Ursachen­suche und Therapie einem Arzt.

Inkontinenz

Inkontinenz ist das Unvermögen den Abgang von Harn (Harninkontinenz), Stuhl (Stuhlinkontinenz) oder sowohl von Harn als auch von Stuhl (Globalinkontinenz) willkürlich zu steuern (zurückzuhalten).
Während Stuhlinkontinenz zum Chirurgen gehört, ist die Facharztzuständigkeit bei Harninkontinenz unterschiedlich, weil von einigen Faktoren abhängig.

Stressinkontinenz: infolge Drucksteigerung im Bauchraum (Husten, Niesen, Lachen, aber auch beim Aufstehen oder Heben von schwerden Dingen) kommt es zu Harnverlust. Aufgrund der häufigsten Ursachen (Gebärmuttersenkung, Beckenbodenschwäche nach mehreren Geburten) ist sowohl für Diagnose als auch für Therapie (Pessar, Operation) primär der Gynäkologe zuständig.

Tipp: Durch spezielle Übungen (Beckenbodengymnastik) kann die Muskulatur des Beckenbodens trainiert und gestärkt werden.

Dranginkontinenz: Von Dranginkontinenz spricht man bei plötzlich einsetzendem Harndrang und oft schwallartigem Verlust von großen Urinmengen. Weil die Ursache dafür eine Überaktivität der Blasenmuskulatur ist, haben auch operative Eingriffe kaum Erfolg. Der Urologe stellt [nach Ausschluss von anderen Ursachen (z.B. Harnwegsinfekt)] die Diagnose und leitet einen Therapieversuch mit entsprechenden Medikamenten ein.

Reizblase: Ist eine Sonderform der Dranginkontinenz. Die Ursache liegt in der Unfähigkeit, das für die Blasenentleerung notwendige ‚Zusammenziehen’ der Blasenwandmuskulatur zu hemmen.
Ebernfalls zum Urologen gehört Harnverlust bei vergrößerter Prostata (Überlaufblase) und nach Prostataoperation.

Ist ein Harnwegsinfekt (Symptome: häufiger Harndrang trotz geringer Harnmengen; Schmerz beim Urinieren, blutiger Harn) die Ursache von Harnverlust, kann dies der Arzt für Allgemeinmedizin oder der Geriater vorort durch eine unkomplizierte Harn-Untersuchung diagnostizieren. Harnwegsinfekte sind mit Antibiotika gut behandelbar. Bei hartnäckigen Infekten veranlasst der Arzt im Labor eine Harnkultur machen zu lassen, um den Keim zu identifizieren und mit einem Antibiotikum zu behandeln, gegen das der Keim empfindlich ist.

Bei Harnverlust (und sei er nur dadurch bedingt, dass der Patient nicht rasch genug zum WC gehen kann) leisten die unterschiedlichen Inkontinenzprodukte (von Einlagen bis Windeln) ganz wichtige Dienste. Erstens nehmen sie den Urin auf, das heisst, Kleidung und Möbel werden nicht nass, wodurch es auch nicht mehr nach Urin riecht. Zum zweiten können insbesondere ältere Menschen wieder ungeniert in Gesellschaft gehen (Theater, Besuche von Freunden und Familie) und die wichtigen sozialen Kontakte aufrecht erhalten.

Tipp: Harnverlust ist ein Thema über das Betroffene von sich aus nur sehr ungern bis überhaupt nicht sprechen. Wenn man in der Wohnung des alten Menschen Handtücher auf Sitzflächen liegen sieht, oder Uringeruch in der Wohnung wahrzunehmen ist, sollte man das Thema Harnverlust ansprechen und die entsprechende Lösung suchen. Meist ist die Barriere zu überwinden, indem man dem Betroffenen mitteilt, dass der Harnverlust nicht mehr „sein Geheimnis“ sein muss, dass es viele Menschen gibt, die darunter leiden und dass es heute Abhilfen gibt (ärztlicherseits und/oder durch Inkontinenzprodukte). Sie finden auch bei Ärzten, in Sanitätshäusern, in Apotheken und im Internet unterstützende Literatur.

warum ist Geriatrie kaum bekannt?

Man ist gewohnt Ärzte zu konsultieren, damit es einem wieder besser geht und dass man sein Leben ungestört von Beschwerden, Schmerzen oder Krankheit weiterleben kann.

Patienten würden häufiger einen Geriater aufsuchen, wenn auch er solche Erfolge garantieren könnte. Aber je höher das Patientenalter ist, desto weniger realistisch sind diese Wünsche und deshalb kann sie der Geriater auch nur selten erfüllen. Durch Alter veränderte Gelenke können eben schmerzhaft sein, Veränderungen an den Gefäßen (im Gehirn, im Herz, in den Nieren, in den Augen etc.) zeigen ihre Auswirkungen, und auch sterben müssen wir alle einmal. Wissend, dass nicht alle Wünsche geriatrischer Patienten zu erfüllen sind, glauben Leute fälschlicher Weise, dass Geriater „ohnehin nichts tun können“. „warum ist Geriatrie kaum bekannt?“ weiterlesen